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Begriffslogik
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Begriffslogik oder terministische bzw. Termlogik (englisch term logic), auch traditionelle Logik, manchmal klassische Logik genannt (âklassischâ als historischer Begriff im Sinn von: Logik der Antike, nicht zu verwechseln mit klassischer Logik als Hauptbedeutung), ist eine Art oder Sicht von Logik, bei der die Begriffe, ihre Inhalte und Umfänge und ihre insbesondere durch ein Subjekt-Prädikat-Verhältnis ausgedrĂźckten Beziehungen zueinander im Mittelpunkt oder am Anfang der Betrachtung stehen. Der Ausdruck Begriffslogik charakterisiert insbesondere die bis zum 19. Jahrhundert dominante Tradition der aristotelischen Logik einschlieĂlich ihrer Weiterentwicklungen etwa durch Avicenna und der Algebraisierung durch George Boole. Er markiert sowohl eine Abgrenzung von Logiken wie der stoischen Logik oder der modernen Aussagenlogik, welche von der Beziehung von Aussagen zueinander ausgehen, als auch auf anderer Ebene eine Abgrenzung von einer durch Gottlob Frege begrĂźndeten Prädikatenlogik, welche das Verhältnis von Begriffen zu ihnen untergeordneten Gegenständen (bzw. von Prädikaten/Relationen zu durch sie verbundenen Gegenständen) als grundlegend annimmt und mit Hilfe der Quantifizierung Ăźber Gegenstände begriffliche Verhältnisse auf das Verhältnis von Begriffen zu Gegenständen zurĂźckfĂźhrt. Erweiterungen der klassischen Begriffslogik, welche dieser strukturell ähneln, aber in der Nachfolge Augustus De Morgans an der Stelle einstelliger Begriffe auch mehrstellige Relationen zulassen, werden im Sprachgebrauch teilweise auch Begriffslogiken (als logic of relative terms statt logic of absolute terms) genannt, teilweise von diesen jedoch als Relationenlogiken abgegrenzt.
Contents
⢠Beschreibung
⢠Syllogistik
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Primärquellen
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Beschreibung
Formal ist ein logisches System genau dann eine Begriffslogik, wenn die atomaren Zeichen, seien es Konstante oder Variable, fĂźr Begriffe stehen. In der philosophischen und begriffslogischen Tradition werden in der Regel nur solche Systeme als begriffslogisch bezeichnet, bei denen die atomaren Zeichen nur fĂźr Begriffe stehen, das heiĂt, bei denen es keine andere Kategorie von Grundzeichen gibt.
Die Frage, was genau ein Begriff ist, wird in der Tradition der Begriffslogik zwar intensiv diskutiert, erweist sich aber als philosophisch relativ schwer fassbar und wird daher recht unterschiedlich interpretiert (siehe Begriff (Philosophie)). FĂźr das begriffslogische SchlieĂen selber ist die jeweilige Interpretation des Begriffs âBegriffâ jedoch in der Praxis von untergeordneter Bedeutung. Durchgängig akzeptierte Beispiele fĂźr Begriffe sind âMenschâ oder âSäugetierâ. Ob sich Eigennamen, zum Beispiel âSokratesâ oder âAristotelesâ, und Beziehungen (Relationen) zwischen Dingen, z. B. die zwischen den Städten Berlin und Paderborn bestehende Beziehung des GrĂśĂerseins (Berlin ist grĂśĂer als Paderborn) oder die zwischen den drei Zahlen 10, 4 und 6 bestehende Beziehung, dass die erste die Summe der beiden letzteren ist, ebenfalls als Begriffe verstehen lassen, wurde in der Tradition unterschiedlich beantwortet.
Von grĂśĂerer Bedeutung fĂźr die begriffslogische Praxis ist die Unterscheidung zwischen Umfang und Inhalt (âExtension und Intensionâ) eines Begriffs. Der Umfang eines Begriffs, seine Extension, wird im Allgemeinen als die Gesamtheit der Dinge betrachtet, die unter den Begriff fallen â so ist der Umfang des Begriffs âMenschâ die Gesamtheit aller Menschen. Der Inhalt eines Begriffs, seine Intension, wird in der Tradition unterschiedlich gefasst. Grob kann man sich unter dem Inhalt eines Begriffs die Gesamtheit aller Merkmale oder Eigenschaften vorstellen, die diesen Begriff ausmachen â im Fall des Begriffs âMenschâ neben vielen anderen Eigenschaften die Eigenschaften, ein Säugetier zu sein, vernĂźnftig denken zu kĂśnnen und sprachbegabt zu sein. Je nach begriffslogischem System stehen die Variablen entweder fĂźr Begriffsumfänge oder fĂźr Begriffsinhalte â oder sie sind in jeder der beiden Weisen interpretierbar.
In einer Begriffslogik werden aus den Begriffen Aussagesätze (veraltend auch Urteile genannt) gebildet, die eine Aussage Ăźber das Verhältnis zweier oder mehrerer Begriffe zueinander treffen. Das am häufigsten angesprochene Verhältnis zweier Begriffe ist das Art-Gattungsverhältnis, das heiĂt die Feststellung, dass ein Begriff Art der von einem anderen Begriff ausgedrĂźckten Gattung ist. Ein Beispiel fĂźr eine Aussage (ein Urteil), die (das) ein Art-Gattungsverhältnis ausdrĂźckt, ist â(Alle) Menschen sind Säugetiereâ: Mit dieser Aussage wird ausgedrĂźckt, dass âMenschâ eine Art der Gattung âSäugetierâ ist.
Die aus den Begriffen gebildeten Urteile werden auch in der Begriffslogik zu SchlĂźssen (Argumenten) zusammengesetzt. Zum Beispiel lässt sich aus den beiden Urteilen â(Alle) Menschen sind Säugetiereâ und â(Alle) Logiker sind Menschenâ auf das Urteil â(Alle) Logiker sind Säugetiereâ schlieĂen und folgendes Argument bilden:
Die gebräuchlichen und auch hier gewählten Formulierungen â(Alle) Menschen sind Säugetiere,â âEinige Menschen sind keine Logikerinnenâ usw. sind insofern etwas unglĂźcklich, als sie leicht als Aussagen Ăźber Individuen verstanden werden kĂśnnen, zum Beispiel im Sinn von âJedes Individuum, das ein Mensch ist, ist auch ein Säugetierâ. Als begriffslogische Aussagen sind sie aber gerade das nicht, sondern sie drĂźcken das Verhältnis zweier Begriffe aus. Unmissverständlicher wäre es, eine eindeutigere Formulierung zu wählen, zum Beispiel Mensch ist Art der Gattung Säugetier oder Säugetier kommt jedem Menschen zu, wie das in der Tradition auch oft gehandhabt wurde. Wenn im Folgenden dennoch die mehrdeutige Formulierung gewählt wird, so geschieht das im Hinblick auf ihre Gebräuchlichkeit und sprachlich einfachere Lesbarkeit und im Vertrauen darauf, dass die Lesenden sie im Zusammenhang dieses Artikels im begriffslogischen Sinn interpretieren.
In Abgrenzung von der Begriffslogik werden in der modernen Logik nicht Begriffe als Grundelemente betrachtet, sondern â je nach System â Aussagen (in der Aussagenlogik), Prädikate (in der Prädikatenlogik) oder Funktionen (im Lambda-KalkĂźl). In begriffslogischer Tradition werden manchmal alle nicht begriffslogischen Systeme als Urteilslogik bezeichnet; inhaltlich ist diese Verallgemeinerung aus moderner Sicht falsch.
Syllogistik
â
Hauptartikel
:
Syllogistik
Historischer Anfangspunkt der Begriffslogik sind die Arbeiten von Aristoteles, der in Gestalt seiner Syllogistik ein im modernen Sinn formales logisches System vorlegte. In der Syllogistik werden Argumente in einer starren Form betrachtet, die aus genau drei Urteilen, zwei Prämissen und einer Konklusion, bestehen. Prämissen und Konklusion drßcken dabei jeweils das Verhältnis zwischen genau zwei Begriffen aus. Aristoteles unterscheidet vier Arten von Urteilen:
1. Universal bejahend: âAlle A sind Bâ (A ist eine Art der Gattung B, z. B. âAlle Menschen sind Säugetiere.â)
2. Universal verneinend: âKein A ist Bâ oder âAlle B sind Nicht-Aâ (dabei ist âNicht-Aâ die begriffliche Verneinung von A, das heiĂt derjenige Begriff, unter den alles fällt, was nicht unter A fällt)
3. Partikulär bejahend: âEinige A sind Bâ (z. B. âEinige Menschen sind Logikerâ)
4. Partikulär verneinend: âEinige A sind nicht Bâ (z. B. âEinige Menschen sind keine Logikerâ)
Eigennamen (z. B. âSokratesâ) betrachtet Aristoteles nicht als Begriffe in diesem Sinn.
Leibnizsche Begriffslogik
Leibniz entwickelte bereits im 17. Jahrhundert ein logisches System,cite-ref-1[1] das in seinen formalen ZĂźgen schon mit dem späteren System Booles (siehe nächstes Kapitel) Ăhnlichkeiten aufweist. In diesem Sinn kann Leibnizens Wirken als ein Vorgriff auf die Algebraisierung der Logik betrachtet werden, auch wenn seine Arbeiten historisch wahrscheinlich ohne viel Einfluss blieben und erst im 20. Jahrhundert â nach vollendeter Entwicklung der formalen Algebra â grĂśĂere Beachtung fanden und in ihrem vollen Umfang gewĂźrdigt wurden.cite-ref-2[2]
Leibniz entwickelt im Lauf seines Schaffens mehrere formale Systeme und verwendet dabei unterschiedliche Zeichen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Gemeinsam ist allen Stadien der Leibnizschen Entwicklung, dass bei Begriffen deren Intension, das heiĂt der Begriffsinhalt, im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Begriffsinhalt ist dabei als die Gesamtheit aller Merkmale definiert, die den Begriff ausmachen. Der Inhalt des Begriffs Mensch umfasst in diesem Sinn zum Beispiel Merkmale wie âvernunftbegabtâ, âsprachbegabtâ oder auch âzweibeinigâ (ist aber durch diese drei Merkmale selbstverständlich nicht vollständig bestimmt).
Leibniz sieht bereits den Zusammenhang zwischen intensionaler und extensionaler Interpretation formaler Begriffslogik und ist sich dessen bewusst, dass die gßltigen Aussagen, die seine Systeme ßber Begriffsumfänge und deren Zusammenhänge macht, bei geeigneter Interpretation der verwendeten Zeichen zu gßltigen Aussagen ßber die Begriffsinhalte und deren Zusammenhänge werden.cite-ref-3[3]
In einem frĂźhen System ordnet Leibniz jedem atomaren Begriff beziehungsweise jeder Begriffsvariable eine Primzahl zu, zum Beispiel dem Begriff A die Zahl 3, dem Begriff B die Zahl 5 und dem Begriff C die Variable 7. Das Kombinieren von Begriffen entspricht in diesem System formal der numerischen Multiplikation. Dem Begriff AB wĂźrde in diesem Beispiel die Zahl 3Ă5=15 zugeordnet, dem Begriff ABC die Zahl 3Ă5Ă7=105. Nach dieser Methode ist es mĂśglich, rein rechnerisch zu entscheiden, ob ein Begriff unter einen anderen Begriff fällt: Allgemein fällt ein Begriff S genau dann unter einen Begriff P, wenn der Zahlenwert von S ganzzahlig (das heiĂt mit Rest 0) durch den Zahlenwert von P teilbar ist. Hierzu zwei Beispiele:
1. âAlle AB sind Bâ (âAlle rosa Schweine sind Schweineâ, wenn A fĂźr den Begriff ârosaâ und B fĂźr den Begriff âSchweinâ steht): Um die GĂźltigkeit dieser Aussage zu prĂźfen, dividiert man den Zahlenwert von AB, nach der obigen Belegung 15, durch den Zahlenwert von B, also 3. Das Ergebnis dieser Division ist 5, der Rest ist 0. Da der Rest 0 ist, ist die Aussage âAlle AB sind Bâ gĂźltig.
2. âAlle AB sind Câ (âAlle rosa Schweine sind Kraftfahrzeugeâ): Dividiert man den Zahlenwert von AB, 15, durch den Zahlenwert von C, 7, dann erhält man als Ergebnis die Zahl 2 und Rest 1. Da dieser Divisionsrest von 0 verschieden ist, ist die Aussage âAlle AB sind Câ nicht gĂźltig.
Die Analogie zum Rechnen mit Primzahlen wird schwieriger, sobald es um negative (verneinende) und um partikuläre Aussagen geht. Um negative Aussagen adäquat behandeln zu kÜnnen, muss Leibniz jedem atomaren Begriff eine zweite, negative Primzahl zuordnen.cite-ref-4[4] Auf Grund der damit verbundenen Komplikationen gibt Leibniz dieses erste System frßhzeitig auf.
Algebraisierung der Logik: Booles Begriffslogik
Ihren technischen HĂśhepunkt erlebt die traditionelle Logik im Sinn der Begriffslogik mit ihrer Algebraisierung durch George Boole und Augustus De Morgan im 19. Jahrhundert.
In Booles System stehen die Variablen fĂźr Begriffe, jedoch ausdrĂźcklich fĂźr deren Umfang (Extension), nicht fĂźr ihren Inhalt (auch wenn durch geeignete Umdeutung der VerknĂźpfungszeichen eine begriffsinhaltliche Deutung mĂśglich ist). Booles System verwendet GroĂbuchstaben fĂźr Begriffe, das Zeichen 0 (Null) fĂźr den leeren Begriff, unter den nichts fällt, und das Zeichen 1 (Eins) fĂźr den universellen Begriff, unter den alles fällt. VerknĂźpft werden Begriffszeichen durch bloĂes Nebeneinanderschreiben oder durch eines der Zeichen â+â (Plus) und âââ (Minus):
⢠Das Nebeneinanderschreiben, z. B. âABâ wird interpretiert als Schnittmengenbildung oder (mehr der begriffslogischen Denkweise entsprechend) als Bildung eines Begriffs, unter den nur solche Dinge fallen, die sowohl unter âAâ als auch unter âBâ fallen. Steht zum Beispiel A fĂźr den Begriff âPhilosophinâ und B fĂźr den Begriff âLogikerin,â dann steht AB fĂźr den Begriff âLogikerin und Philosophin,â das heiĂt fĂźr den Begriff, unter den alle Personen fallen, die zugleich Logikerinnen und Philosophinnen sind.
⢠Die âAdditionâ, âA+Bâ, wird interpretiert als der Begriff, der alles umfasst, was entweder unter A oder unter B fällt. Gibt es Dinge, die sowohl unter A als auch unter B fallen, dann ist der Ausdruck âA+Bâ undefiniert â das ist der groĂe Unterschied zwischen Booles System und späteren begriffslogischen Systemen. Steht zum Beispiel A fĂźr den Begriff âMenschâ und B fĂźr den Begriff âBuchâ, dann ist âA+Bâ der Begriff, unter den sowohl Menschen als auch BĂźcher fallen. Steht hingegen A fĂźr den Begriff âLogikerinâ und B fĂźr den Begriff âPhilosophin,â dann ist der Ausdruck âA+Bâ undefiniert, weil es sehr wohl Logikerinnen gibt, die zudem Philosophinnen sind (und umgekehrt).
⢠Die âSubtraktionâ, âAâBâ, wird interpretiert als Bildung eines Begriffs, unter den alle Dinge fallen, die unter A, aber nicht unter B fallen. Steht zum Beispiel A fĂźr den Begriff âMenschâ und B fĂźr den Begriff âLogikerâ, dann steht âAâBâ fĂźr den Begriff der Menschen, die keine Logiker sind.
Um die Beziehung zweier Begriffe auszudrĂźcken, verwendet Boole unterschiedliche, äquivalente Schreibweisen. Die Aussage (das âUrteilâ) âAlle A sind Bâ beispielsweise lässt sich in seinem System unter anderem als AB=A und als A(1-B)=0 ausdrĂźcken.
Booles begriffslogisches System ist das erste, das formal so weit ausgearbeitet ist, dass es auch eine aussagenlogische Interpretation zulässt. Interpretiert man die Variablen nicht als Begriffe, sondern als Aussagen, die âMultiplikationâ als die SatzverknĂźpfung (das Bindewort) âundâ (Konjunktion) und die Addition als das ausschlieĂende Oder (âentweder ⌠oder âŚâ), dann werden alle gĂźltigen begriffslogischen Aussagen von Booles System zu gĂźltigen aussagenlogischen Aussagen. Diese Beobachtung der strukturellen Ăquivalenz inhaltlich vĂśllig unterschiedlicher logischer Systeme (Begriffslogik und Aussagenlogik) begrĂźndete die Disziplin der formalen Algebra, auch abstrakte Algebra genannt.
Relationen in der Logik: Augustus De Morgan und Charles Sanders Peirce
Der Mangel bei Booles begriffslogischem System wie auch bei der traditionellen Begriffslogik im Sinn der Syllogistik ist das Fehlen von MĂśglichkeiten zur Behandlung und Darstellung von Relationen. Relationen sind Beziehungen zwischen Individuen (oder auch Beziehungen zwischen Begriffen), zum Beispiel die Beziehung des GrĂśĂerseins, wie sie etwa zwischen den beiden Zahlen 5 und 2 besteht (5 ist grĂśĂer als 2). Sie sind nicht nur in der Mathematik von groĂer Bedeutung, sondern beinahe Ăźberall im täglichen und im wissenschaftlichen SchlieĂen, sodass es aus heutiger Sicht fast Ăźberraschend ist, dass sie in der langen Tradition der aristotelisch begrĂźndeten Logik nicht näher betrachtet wurden.
De Morgan kommt das Verdienst zu, auf die Bedeutung der Relationen fĂźr das SchlieĂen im Allgemeinen (und fĂźr das mathematische SchlieĂen im Besonderen) hingewiesen zu haben. Ihm wird oft â mĂśglicherweise nicht zu Rechtcite-ref-5[5] â der klassisch gewordene Einwand gegen die traditionelle Begriffslogik zugeschrieben, der in der Formulierung folgenden Arguments besteht:
Alle Pferde sind Tiere.
Also sind alle PferdekĂśpfe TierkĂśpfe.
Dieses Argument, wiewohl intuitiv klar gßltig, lässt sich mit den Mitteln der traditionellen Begriffslogik nicht adäquat formulieren.
Es war Charles Sanders Peirce, dem es in seinem 1870 publizierten Artikel Description of a Notation for the Logic of Relatives, Resulting from an Amplification of the Conceptions of Booleâs Calculus of Logic gelang, die Ideen der Booleschen Algebra auf Relationen (von ihm nicht nur relatives, sondern auch relative terms â âRelationsbegriffeâ â genannt) anzuwenden und auszudehnen.
Der Ăbergang zu den Quantoren: Peirce, SchrĂśder, Tarski
Peircecite-ref-6[6] verwendet bereits Quantoren, wie sie auch in der Logik von Ernst SchrĂśder auftreten. Bei beiden Autoren gilt es aber als unsicher,cite-ref-7[7] ob sie die Quantoren als bloĂes Hilfsmittel betrachteten, mit dem sich bestimmte komplexe Sachverhalte einfacher ausdrĂźcken lassen, oder ob sie die Quantoren als notwendig fĂźr volle Ausdrucksstärke erachteten; das heiĂt, ob sie davon ausgingen, dass es Sachverhalte gibt, die ohne die Verwendung von Quantoren â in einem rein algebraischen System â nicht ausgedrĂźckt werden kĂśnnen.
Inhaltlich beantwortet diese Frage Alfred Tarski: Ihm gelingt es zu zeigen, dass zur vollen Ausdrucksstärke Quantoren unerlässlich sind.cite-ref-8[8]
Begriffslogik aus moderner Sicht
Aus moderner Sicht ist traditionelle Begriffslogik äquivalent zu einem Sonderfall der Prädikatenlogik, nämlich zur einstelligen (âmonadischenâ) Prädikatenlogik. Einstellige Prädikatenlogik beschränkt sich auf die Verwendung einstelliger Prädikate, z. B. â_ ist ein Menschâ oder â_ ist eine Logikerinâ. Ăbersetzen lässt sich zwischen traditioneller Begriffslogik und einstelliger Prädikatenlogik, indem jeder Begriff X durch das einstellige Prädikat â_ ist Xâ ersetzt wird und umgekehrt (z. B. der Begriff âMenschâ durch das Prädikat â_ ist ein Menschâ). Von daher ist es aus abstrakt formaler Sicht gleichgĂźltig, ob man Begriffslogik oder einstellige Prädikatenlogik betreibt. Die einstellige Prädikatenlogik â und damit die traditionelle Begriffslogik â ist entscheidbar.
Begriffslogik mit den relationalen Erweiterungen, wie sie von De Morgan vorgeschlagen und von Peirce implementiert wurden, bedarf zur prädikatenlogischen Darstellung allgemeiner, das heiĂt mehrstelliger Prädikatenlogik. Relationen (in begriffslogischer Terminologie: Relationenbegriffe) werden durch zweistellige Prädikate ausgedrĂźckt. Zum Beispiel wird die mathematische GrĂśĂerrelation in der Prädikatenlogik ausgedrĂźckt durch das zweistellige Prädikat â_1 ist grĂśĂer als _2â. Zusätzlicher Vorteil der Prädikatenlogik ist, dass beliebigstellige Relationen natĂźrlich ausgedrĂźckt werden kĂśnnen, zum Beispiel die dreistellige Relation â_1 liegt zwischen _2 und _3â.
Mit Relationen alleine, zum Beispiel mit dem relational erweiterten begriffslogischen System von Peirce, lässt sich noch immer nicht der volle Umfang der Prädikatenlogik abdecken â dazu bedarf es auch in der Begriffslogik der Verwendung von Quantoren, die dort â siehe die obigen Anmerkungen Ăźber Peirce â tatsächlich frĂźhzeitig eingefĂźhrt wurden.
Niedergang der Begriffslogik
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden begriffslogische Systeme und moderne logische Systeme wie Aussagenlogik oder Prädikatenlogik parallel verwendet, wobei die Häufigkeit und Intensität der Verwendung von Begriffslogik in gleichem MaĂ zurĂźckging, wie die Häufigkeit und Intensität der Verwendung moderner logischer Systeme zunahm. Dieser Wechsel wird Ăźberwiegend damit erklärt, dass die modernen logischen Systeme die BedĂźrfnisse der vorwiegend mathematischen Anwender besser befriedigten als die klassischen, begriffslogischen Systeme, während zugleich der Einfluss der Philosophie mit ihrer stark traditionsorientierten Verhaftung in der aristotelischen Begriffslogik immer mehr in den Hintergrund geriet. In unverblĂźmter Formulierung: Die modernen logischen Formalismen zum Beispiel der Aussagen- und Prädikatenlogik wurden von den Verwendern mehrheitlich als einfacher und problemadäquater empfunden als die â selbst um Relationen und Quantoren erweiterte und damit abstrakt-formal gleichmächtige â Begriffslogik in der Ausformung von Peirce.
Moderne RĂźckgriffe auf Begriffslogik
Trotz der faktischen (anwendungspraktischen) vĂślligen AblĂśsung begriffslogischer Systeme durch moderne logische Systeme gibt es â auch abseits rein historisch motivierter Untersuchungen â vereinzelte RĂźckgriffe auf begriffslogische Ăberlegungen und Systeme. Solche RĂźckgriffe erfolgen selten oder nie innerhalb formaler Logik oder Mathematik, sondern Ăźberwiegend im philosophischen Bereich. Tatsächlich sind die einzelnen RĂźckgriffe auf die Begriffslogik meist auf eine der folgenden Weisen motiviert:
⢠Gelegentlich wird ein Primat des Begriffs ßber andere logische Kategorien wie Funktionen, Prädikaten oder Aussagen behauptet oder gefordert. Das Verhältnis zum Begriff Klasse muss geklärt sein; im englischen Sprachraum ist fßr diesen (philosophischen!) Standpunkt die Bezeichnung terminist philosophy gebräuchlich. Unter einer solchen Einstellung ist die Arbeit mit einem System, dessen Grundbegriffe eben gerade keine Begriffe sind, zumindest unbefriedigend, und besteht das Bestreben, das Primat des Begriffs auch innerhalb eines logischen Systems zum Ausdruck bringen zu kÜnnen.
⢠Des Ăfteren wird auf die strukturelle Diskrepanz zwischen den Formeln moderner logischer Systeme, meist der Prädikatenlogik, und ihren natĂźrlichsprachlichen Ăquivalenten hingewiesen. Es wird argumentiert, dass in einigen oder in vielen wichtigen Fällen eine begriffslogische Formel einer natĂźrlichsprachlichen Aussage strukturell ähnlicher ist als zum Beispiel eine Aussage der Prädikatenlogik.
⢠Oft wird auch rein praktisch damit argumentiert, dass moderne formale Logik schwer zu erlernen sei und dass fĂźr das AusdrĂźcken einfacher Zusammenhänge, wie sie einem im täglichen Leben â unter Umständen auch im täglichen wissenschaftlichen Leben â begegnen, ein einfaches begriffslogisches System â etwa im Sinn der Syllogistik â ausreiche, das auch leichter zu erlernen sei. NatĂźrlich lässt sich Ăźber beide Annahmen â sowohl die grĂśĂere Kompliziertheit einstelliger Prädikatenlogik gegenĂźber der Syllogistik als auch deren Ausreichen fĂźrs alltägliche (wissenschaftliche) Arbeiten â diskutieren.
In die erste Kategorie fallen logische Systeme, wie sie zum Beispiel von Bruno Freytag-LÜringhoff in den 1960er-Jahren propagiert wurden. Eher in eine der beiden letzteren Kategorien fallen Systeme wie die TFL (term-functor logic) von Fred Sommers, ebenfalls in den 1960er-Jahren ausgeformt. Aus formaler Sicht sind beide Systeme in ihrer vollen Ausprägung zur modernen Prädikatenlogik dergestalt äquivalent, dass jede Aussage eines dieser Systeme eindeutig in eine prädikatenlogische Aussage ßbersetzt werden kann und umgekehrt.
Die bedeutendste Anwendung der Termlogik in neuerer Zeit ist John Corcorans Formalisierung der aristotelischen Logik durch NatĂźrliche Deduktion im Jahre 1973.cite-ref-9[9] Vorläufer ist Jan Ĺukasiewicz, der in seinem Buchcite-ref-10[10] die erste termlogische Formalisierung der aristotelischen Logik angab. Beide Systeme haben den Vorteil, dass sich die gesamte Aristotelische Syllogistik ohne Zusatzannahmen, die bei Aristoteles nicht vorhanden sind (Existenzannahmen), herleiten lässt. Im Gegensatz zu Corcoran verwendet Ĺukasiewicz in seiner Formalisierung der aristotelischen Logik die Aussagenlogik, was seitdem häufig kritisiert wurde und durch Corcorans Arbeiten vermieden werden kann. Corcorans Theorie wird bei Philosophen und Logikhistorikern geschätzt, weil die Beweise durch NatĂźrliches SchlieĂen die Argumentation des Aristoteles in seiner Analytica priora fast wĂśrtlich reproduzieren.cite-ref-11[11]
Hans Hermes hat 1965 eine Termlogik mit Auswahloperator aufgestellt.
Siehe auch
Literatur
Sekundärliteratur
⢠William Kneale, Martha Kneale: The Development of Logic. Clarendon Press, 1962, ISBN 0-19-824773-7
⢠Jan Ĺukasiewicz: Aristotleâs Syllogistic from the Standpoint of Modern Formal Logic. 2. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1957
⢠Otto Bird: Syllogistic and Its Extensions. Prentice-Hall, Englewood Cliffs 1964
⢠Logic. In: Encyclopaedia Britannica, 15. Auflage. Britannica, Chicago 1974 (2003), ISBN 0-85229-961-3, Band 23, S. 225â282.
⢠Albrecht Heinekamp, Franz Schupp (Hrsg.): Leibniz Logik und Metaphysik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988
Primärquellen
⢠Charles Sanders Peirce: Description of a Notation for the Logic of Relatives, Resulting from an Amplification of the Conceptions of Booleâs Calculus of Logic. In: Memoirs of the American Academy of Sciences, 9, 1870, S. 317â78
⢠Charles Sanders Peirce: On the algebra of logic. A contribution to the philosophy of notation. In: The American Journal of Mathematics, 7, 1885, S. 180â202
⢠aus dem Englischen Ăźbertragen abgedruckt in Karel Berka, Lothar Kreiser: Logik-Texte. Kommentierte Auswahl zur Geschichte der modernen Logik. 4. Auflage. Akademie, Berlin 1986, S. 29â51
⢠Alfred Tarski: On the Calculus of Relations. In: Journal of Symbolic Logic, 6, S. 73â89
⢠George Boole: Investigation of The Laws of Thought On Which Are Founded the Mathematical Theories of Logic and Probabilities. Dover, New York 1958, ISBN 0-486-60028-9
⢠George Boole: The mathematical analysis of logic: being an essay towards a calculus of deductive reasoning. 1847, ISBN 1-85506-583-5
⢠Aus dem Englischen ßbertragen, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Tilman Bergt: Die mathematische Analyse der Logik. Hallescher Verlag, 2001, ISBN 3-929887-29-0
⢠gekĂźrzt und aus dem Englischen Ăźbertragen abgedruckt in Karel Berka, Lothar Kreiser: Logik-Texte. Kommentierte Auswahl zur Geschichte der modernen Logik. 4. Auflage. Akademie, Berlin 1986, S. 25â28
⢠Bruno Freytag gen. LÜringhoff: Logik I. Das System der reinen Logik und ihr Verhältnis zur Logistik. 5. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1972, ISBN 3-17-232221-1 (=Urban-Bßcher 16)
⢠Bruno Freytag gen. LÜringhoff: Neues System der Logik. Symbolisch-symmetrische Rekonstruktion und operative Anwendung des aristotelischen Ansatzes. Meiner, Hamburg 1985, ISBN 3-7873-0636-6 (=Paradeigmata 5)
⢠Gottfried Wilhelm Leibniz: Generales Inquisitiones de Analysi Notionum et Veritatum, 1686: lt.-dt. = Allgemeine Untersuchungen ßber die Analyse der Begriffe und Wahrheiten, herausgegeben, ßbersetzt und kommentiert von Franz Schupp. Meiner, Hamburg 1982
⢠Fred Sommers: The Calculus of Terms. In: Mind, vol. 79, 1970, S. 1â39; Nachdruck: George Englebretsen (Hrsg.): The new syllogistic. Peter Lang, New York 1987, ISBN 0-8204-0448-9
⢠Fred Sommers: Predication in the Logic of Terms. In: Notre Dame Journal of Formal Logic, Volume 31, Number 1, Winter 1990, S. 106â126, projecteuclid.org
⢠Fred Sommers, George Englebretsen: An invitation to formal reasoning. The logic of terms. Ashgate, Aldershot / Burlington / Singapore / Sydney 2000, ISBN 0-7546-1366-6
Weblinks
⢠Ein guter Text ßber Leibnizens logisches System (PDF, 223 kB)
⢠Webpräsenz eines Vertreters der Freytagâschen Sicht
⢠George Boole: The Calculus of Logic im englischen Original
Einzelnachweise
cite-note-11. â Näheres zu Leibnizens logischen Systemen siehe z. B. Glashoff (PDF)
cite-note-22. â Logic. In: Encyclopaedia Britannica, 15. Auflage. Britannica, Chicago 1974 (2003), ISBN 0-85229-961-3, Band 23, S. 270
cite-note-33. â William Kneale, Martha Kneale: The Development of Logic. Clarendon Press, 1962, ISBN 0-19-824773-7, S. 330
cite-note-44. â William Kneale, Martha Kneale: The Development of Logic, Clarendon Press 1962, ISBN 0-19-824773-7, S. 338
cite-note-55. â Logic. In: Encyclopaedia Britannica, 15. Auflage. Britannica, Chicago 1974 (2003), ISBN 0-85229-961-3, Band 23, S. 272
cite-note-66. â Zu dessen logischen Ideen s. Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und weder Parameter 2 noch Parameter 3
cite-note-77. â Logic. In: Encyclopaedia Britannica, 15. Auflage. Britannica, Chicago 1974 (2003), ISBN 0-85229-961-3, Band 23, S. 273
cite-note-88. â Logic. In: Encyclopaedia Britannica, 15. Auflage. Britannica, Chicago 1974 (2003), ISBN 0-85229-961-3, Band 23, S. 273
cite-note-99. â J. Corcoran: Completeness of an Ancient Logic. In: The Journal of Symbolic Logic, Vol. 37, Number 4, Dezember 1973
cite-note-1010. â Jan Ĺukasiewicz: Aristotleâs syllogistic. From the standpoint of modern formal logic. Clarendon Press, Oxford 1951.
cite-note-1111. â George Boger: Completion, Reduction and Analysis: Three Proof-theoretic Processes in Aristotleâs Prior Analysis. In: History and Philosophy of Logic, 19, 1998, S. 187â226